Sonntagskleinkram

  1. Jetzt aber wirklich. Ende Mai/Anfang Juni wechseln wir ins andere Haus. Schauen wir, was uns erwartet.
  2. Eine sehr niedliche Glückskatze möchte zu uns gehören und wir müssen das Ansinnen leider ablehnen, da Katzenallergie.
  3. Immer wenn das Wetter am schönsten ist, fahren wir zurück nach Berlin.
  4. Den wirklich harten Winter im kalten Haus weitgehend ohne Erkältung überstanden, jetzt Sommererkältung im Doppelpack mit Husten und Halsweh.
  5. In der Berliner Wohnung fliegen mir zu viel Motten rum. Untersteht euch, ihr Biester!
  6. In Vorpommern wischt man sich gerade die Mücken im Dutzend von Armen und Beinen.
  7. Papa hat sich auf die familientypische Art übernommen und liegt nun mit Verdacht auf Lungenentzündung/Herzmuskelentzündung im Krankenhaus, teilte mir meine Mutter heute nachmittag mit. Heute morgen träumte ich von ihm (das ist sehr selten). Er erklärte mir, er wolle ein völlig neues Leben anfangen. Hm. Hmhm.
  8. Enkelkind nicht sehen können wegen Hustschnief. Sie wird grade ein Kindergartenkind.
  9. Eine bürokratische Prozedur mit 14 Tagen Wartefrist vor mir. Meh.
  10. Aber sonst ist alles schick.

WMDEDGT Mai 2018

Frau Brüllen fragt wieder, was wir am Monatsfünften getan haben. Da ich gestern im Datennirvana war, hole ich es nach.
(Leider ist der Post zu 5 Jahren WMDEDGT im letzten Monat dem langen Verbleib auf dem Dorf geschuldet ausgefallen, was ich sehr schade finde.)

Gestern wachte ich um 7 Uhr morgens auf und sah aus dem Fenster. Die Sonne schien golden und schräg auf die Reste der Kiefer, die im letzten nassen Schnee fast die ganze Krone verloren hatte und der Himmel war nordisch hellblau.
Ich drehte mich noch einmal um und schlief noch eine Stunde.
Kurz nach 8 Uhr stand ich auf, putzte mir die Zähne, wusch mich(Ha! Es gibt endlich ein Waschbecken und ich stoße mir nicht mehr beim Waschen den Kopf an der Campingküche.), cremte mich mit Sonnenmilch ein und zog den Blaumann an. Diesmal die leichtere Variante, denn es würde wärmer werden.

Ich schnappte mir die Kaffeedose, einen Filter, Erdnußbutter und Marmelade aus der Kiste neben dem Bett und ging in die Küche. Dort machte ich als erstes das Fenster auf, denn die Sonne schien dagegen, es sollte im Raum warm werden.
Dann begutachtete ich die gestern verputzte Küchenwand. An einigen Stellen schlug ein Pigment aus einem Altanstrich durch und manchmal war die (Fein-)putzschicht zu dünn. Ich müsste also außer der noch freien Stelle hinter dem Ofen noch einmal die ganze Wand machen.

Doch zuerst goß ich Kaffee auf und machte mir Peanutbutter and Jelly-Reiswaffeln. Ich stellte alles auf ein Brett, schnappte mir Brille und Handy und setzte mich mit dem Frühstück nach draußen in die Sonne. Die Vögel machten Radau, die Sonne schien und wärmte mich durch und das Dorf machte Samstagslärm: Rasentrecker, Bagger, Traktoren, Motorsägen. Von der Weide neben dem Kuhstall kam Gebrüll in allen Tonlagen, von Kalb über Mutterkuh bis Bulle.

Als ich fertig war mit Frühstücken und den zweiten Kaffee noch stehen ließ, machte ich meinen üblichen Inspektionsgang zum aufgegrabenen Abflußrohr. Alles gut, es war trocken, nichts war undicht und staute sich.

Dann warf ich Nudeln in den Crockpot, goß etwas Wasser darauf, gab eine Tüte vorbereitete Bolognese dazu und bedeckte das alles mit Käse und Sahne. Es sollte abends Nudelauflauf geben.

Ich begann mit der Arbeit. Ich rückte den Ofen in der Küche ab, trug das Ofenrohr nach draußen und klopfte es aus (in drei Monaten sammelt sich eine Menge Ruß darin).
Dann weichte ich mit dem Dampfgerät die restlichen Tapetenfutzel von der Wand. Der Kleber, den die Leute für die Rauhfaser genommen hatten, schlägt eklig gelb durch Anstrich und Putz und die rot gestrichene Pappe um das Ofenrohr musste auch dringend weg. Dabei kamen mir Gipsbrocken entgegen, die das (eigentlich für dieses Haus ungewöhnlich ordentlich eingelassene) Ofenrohr halten sollten.
Also zog ich den Anschlußstutzen der guten Ordnung halber aus der Wand. Ich hatte Glück. Er war intakt, nicht löchrig und kaputtgerostet wie andere und das Loch, das er hinterließ war nicht wie im Bad plötzlich 6 Ziegel groß, sondern brauchte nur eine Handvoll Blitzzement. Ich zementierte das Rohr wieder ein. Vorher schaute ich mit dem Grafen, der inzwischen aufgestanden war, wie der Zugang zum Ofen im Zimmer nebenan damit korrespondiert. Auch hier war wie am anderen Schornstein ein Zug stillgelegt und beide Öfen auf einen Zug gelegt. Das ist im Grunde kein Problem. Außer die Züge liegen direkt gegenüber wie im anderen Schornstein.
Ich strich die Wand hinter dem Ofen, die aus Bitumenanstrichen, ausgeflickten Rissen und angesengter Ölfarbe bestand, mit Haftgrund und begann an der anderen Seite mit der zweiten Putzschicht. Es ging mir ganz gut von der Hand. Ich musste nur darauf achten, keine zu großen Mengen anzurühren weil ich sonst den Eimer nicht mehr heben konnte.
Ab und zu brachte ich eine verflogene Biene oder Hummel nach draußen.

Es war inzwischen Mittag. Ich aß erst etwas Schokolade, später dann Reiswaffeln mit furchtbar stinkendem Camembert und half dem Grafen bei der einen oder anderen Sache. Er schliff Teile vom Boden im Bad ab, wo demnächst die Badewanne stehen sollte.

Um 14 Uhr kam die Postfrau, die hier auch Pakete zustellt und hatte kein Paket für den Grafen, obwohl DHL es angekündigt hatte.
Wir setzten uns danach ins Auto und fuhren in die Stadt zum Edeka (ich hatte sogar den Blaumann dafür ausgezogen und ordentliche Hosen an). Die Poststelle dort hatte leider schon zu, ich erwartete ein Amazon Prime-Paket, das dort mal mit Hermes, mal mit DHL zugestellt wird. Wir kauften ein paar Leckerli, gaben Leergut ab und fuhren zurück.

Auf dem Weg diskutierten wir noch einmal über ein Ereignis während unserer Abwesenheit vom Dorf, über das wir am Vortag benachrichtigt wurden und das uns erst nach und nach in seiner Brisanz bewusst wurde. Darüber lässt sich nicht reden, nur so viel: in dem Drama spielen drei Feuerwehren und ein Polizeiwagen eine tragende Rolle.

Ich verpackte die Einkäufe und trank einen Kaffee. Dazu aß ich Pudding mit Sahnehäubchen aus dem Sonderangebot, garniert mit kleinen Baisers.
Danach trug mit dem Grafen die alte Kaldewei-Badewanne vors Haus, die er herrichten wollte. Dann rührte ich wieder einen Eimer Putz an. Aber es lief nicht mehr so gut. Die Region hinter dem Ofen hatte ich schon mit gröberem Putz begradigt. Trotzdem war die Wand dort beulig und der Putz zu fein, um ihn dicker aufzutragen.

Außerdem verwandelte sich der Auflauf in Pampe. Gut riechende Pampe zwar, aber meh…

Dafür lief es beim Grafen besser. Die Emaille der Wanne war weiß und glänzend wie neu, die Füße ließen sich gut wieder ansetzen und die Anschlüsse passten nach Austausch einer kaputten Dichtung dann doch. Die selbst entworfene Standarmatur fügte sich gut in den gesamten „Technik, die man sieht“-Stil ein.

Ich filzte den angezogenen Putz vorsichtig noch etwas und räumte dann die Küche auf. Der Graf baute die Badewanne zu Ende und stöpselte den Boiler ein.

Es war inzwischen 8 Uhr. Ich deckte den Tisch und zog mir die warme Jacke an. Trotz der für Vorpommern selten warmen Frühlingstage wird es abends schlagartig kalt.
Wir aßen etwas, das anmutete, als käme es aus Babygläschen.

In den Häusern der Umgebung wurde gegrillt und gefeiert und wir drehten noch eine Runde in Richtung des Dorfes (hier gibt es den Teil „Gut“ und den Teil „Dorf“) und über die Wiesen im Sonnenuntergang.

Dann gingen wir flott wieder ins Haus, es war inzwischen nach neun Uhr und ich schloss den Küchenofen wieder an. Es dauerte nicht lange und er bollerte und knisterte vor sich hin. Ich machte derweil den Abwasch und der Graf ließ sich Badewasser ein. Auf diesen Moment hatte er schließlich seit Ende Januar gewartet.
Ich leistete ihm etwas Gesellschaft und bedauerte, dass der Ofen im Bad nach der Reparatur der Schornsteinzuges noch nicht wieder betriebsfähig war.
Ich im Sessel neben meinem Mann in der Badewanne und im Ofen knistert ein Feuer, auf das ich immer mal einen Scheit nachlege. Das ist Luxus. – Aber noch Zukunftsmusik, denn den Sessel gibt es noch nicht.

Allerdings kam der Graf bald aus der Wanne raus, für eine stundenlange Session hatte der Boiler zuwenig Vorlaufzeit bekommen.
Wir saßen noch etwas vor dem Küchenofen, ich trank meinen dörflichen Abendschnaps, dann packten wir für unsere Anfahrt am nächsten Morgen und ich duschte mit dem Rest des heißen Wassers.

Gegen Mitternacht fielen wir ins Bett, ich schaute noch etwas auf die Sterne und dann kam der Sandmann.

Die anderen Posts sind wie immer hier verlinkt.

Berliner Aprilsommersonntag

Eine Kette von total doof gelegenen Terminen hält uns seit einer knappen Woche in Berlin fest und wir kommen vor Ende April nicht mehr nach Norden.
Dort lief alles nach dem Schema „ein Schritt vor, zwei zurück“. Neue Fußleisten im Bad, die Abflußrohre für Dusche und Badewanne sind mit dem richtigen Gefälle angemacht, neue Futter für Ofenrohre eingesetzt, dabei Mauerspalten im Schornstein geschlossen, das Loch, auf dem der abgerissene Ofen stand, ausgeflickt

und schon klemmts in der Abflussleitung im Hof und das ehemalige Bad, nun Werkstatt, bekommt nasse Füße. Also den Hof aufschippen und Sch… spülen statt tapezieren. So langsam sollten wir aber durch sein mit solchen Überraschungen.

Der Umzug ins Gutshaus verzögert sich bis Anfang Juni, wie wir angelegentlich erfuhren, also haben wir mit dem Endspurt für das kleine Haus Aufschub bekommen. Schließlich sind noch Wände zu verputzen und Böden zu schleifen.

Der Graf macht die akkuraten Sachen. Ich käme nie auf die Idee, hängende Türklinken zu reparieren und schief hängende Türen wieder einzupassen oder abzudichten, soweit es die alte Substanz hergibt. Ich kann es einfach nicht. Aber er hat recht, solche Dinge sind wichtig, auch und gerade, weil man sie als normal hinnimmt.

In Belin erwartete uns der typische zu frühe Sommer, der in der Regel von einem kalten Mai und Juni abgelöst wird. Aus lauter Übermut und weil wir schon fast da waren, gingen wir heute in die Gärten der Welt in Marzahn. Die Seilbahn ist schick, gehört aber nicht mehr zum Gelände. Will man nach dem Ausstieg in die Gärten, muß man 250m die Straße entlang laufen. Der früher vorhandene direkte Übergang ist zu.
Das Servicepersonal in allen Gaststätten und Imbissbuden ist so auf Kante genäht, daß die Locations zwar noch von Ambitionen künden, aber das Niveau ansonsten nahe Null ist. Bis hin dazu, daß man sich fehlservierte Löffel und Getränke mit dem Nebentisch austauschte, weil sie sie dort einfach mit einem Stapel Servietten versehen scheppernd hingeknallt wurden. Die Preise hatten stolzes Innenstadt-Niveau. Fast abgelaufenes Weizenbier, die Flasche für 4,90€. Da ist in Mitte das Craftbeer beim Mauerwinzer billiger und man wird vom Chef bedient.
Natürlich waren auch viel zu viel Menschen unterwegs. Die besondere Herausforderung schien darin zu bestehen, sich durch den japanischen Garten mit seinen Anhöhen und Steinstufen mit der Großfamilie inklusive Kinderwagen zu quetschen. Mann hängt mit dem Buggy fest, Frau kreischt, Kind schreit… Berliner Zen halt. Man kennt das.
Dann gibt es noch den drängelnden Berliner Hipsterpapa, der keinen Hehl daraus macht, daß er sich in seinem Leben noch nie irgendwo hinten anstellen mußte. Hatte ich schon gesagt, daß ich Menschenansammlungen hasse?

Ich glaube, die Location braucht noch einen Versuch wochentags, wenn die Rosen blühen.
Denn das Panorama ist eindrucksvoll.

Sonntags vor dem Ofen sitzend

Nebenan liegt das Telefon und macht den Hotspot und ein Zimmer weiter schraubt der Graf selbst gefertigte Fußleisten an die Wand. So langsam kommt der Moment näher, wo man Vorher-Nachher-Fotos zeigen könnte.

Ich habe heute sogar kurz im Garten gearbeitet. Nach draußen kommen wir noch immer äußerst selten, außer zum Schutt abkippen.

Im Park blühen Veilchenteppiche und so langsam kommt der Gedanke an, daß ich inmitten der Veilchen tatsächlich auf eigener Erde stehe.*

 

*Klingt superomantisch. Ist aber des Grafen Erde und mein Verantwortungsbereich.