Nachgeschobene Aufzeichnungen

Blogge nie auf den letzten Pfiff, bevor der Ironbloger-Crawler Sonntag Nacht vorbei kommt. Dein Provider könnte down sein und nur noch das Frontend liefern. So wie gestern.

Wo bei immer noch vieles, obwohl dominant das Leben bestimmend und alle Energie kostend, nicht aufschreibbar ist. Es schiebt sich gerade alles zusammen, wie Eisschollen kurz vorm Frühling auf einem Fluss.
Was davon übrig bleibt und was dann wirklich passiert, wenn sich der Stau auflöst, weiß noch keiner so richtig.
Erst im Nachhinein ist ein Leben eine Abfolge von Ereignissen. Mitten drin ist es eine Ballung von manchmal voneinander anhängenden Optionen mit unterschiedlichem, schwer beeinflussbarem Timing.

Könnte sein, dass es Mitte März wieder besser läuft. Tschuldigung.

Ins Leben hineingewühlt

…und heute schaue ich mal kurz raus.
Babyparty fürs Kind. Sooo schön. Alle Freundinnen waren da und ich musste wieder dafür sorgen, dass es eine Überraschung ist, weshalb ich das Kind erstmal aus der Wohnung lockte und beim Zurückkommen sprangen die Freundinnen aus dem Versteck.

Menschen in einer Villa auf dem Fundament eines alten Schlossen im tiefen Sachsen besucht, die sehr faszinierend war. 1921 wurde sie nach einem Brand wiederhergestellt und hat innen in Deckenstuck und filigranen Eichentreppengeländern jenes leicht expressionistisch wirkende Dekor, das deutsches Art Deco haben konnte. Dazu in den Salons Meißner Kachelöfen, die vom Flur aus geheizt werden können, drei Quellen im Garten, einen davon gespeisten tiefen Teich, eine riesenbadewannengroße steinerne Pferdetränke, einen Mostkeller mit Fässern, uralte Obstbäume und einen weiten Blick über die bergige Landschaft. Leider haben erfolgreiche alte Rittergüter die Eigenschaft, verkehrsgünstig zu liegen. Auf dieser Straße reiste schon Wallenstein durch und heute sind es LKWs, die ins Böhmische wollen. Nobody is perfect.

 

Ansonsten bin ich jeden Abend froh, ins Bett zu kommen, denn das Projekt Zukunft und Lebensfreude ist komplex und zeitintensiv. Es wird demnächst hier sicher wieder mehr zu lesen geben.

WMDEDGT Februar 2017

Frau Brüllen fragt wieder „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“

Heute ist Sonntag, da läuft alles etwas ruhiger. Allerdings war erst einmal nix mit Ausschlafen, ich war gegen halb 5 Uhr wach und schlief nicht wieder ein. Eine Stunde später schlappte ich mit iPad und Bettzeug ins Gästezimmer, um ein wenig in einem eBook zu lesen und auf eine Mail von Primavera zu antworten.
Gegen 8 Uhr war ich dann wieder müde und schlief bis nach 10 Uhr. Der Graf war sehr spät ins Bett gegangen und schniefte nebenan noch in die Kissen, ich machte mir derweil Frühstück – Joghurt mit Banane und Kiwi und viiiel Kaffee – und frühstückte im Gästebett.

Der Graf war inzwischen wach und wir kuschelten noch etwas. Dann stand ich auf, zog mich an und backte einen Rueblikuchen.
Während der Küchen im Ofen war, bastelte ich weiter an Agathe.

Das wird eine gehäkelte Spinne mit Spieluhr im Bauch. Es sind ja nur noch 2 Monate bis Enkelkind. Ich bin handarbeits-, aber nicht bastelaffin und deshalb fluche ich bei solchen Arbeiten immer ziemlich laut.
Zwischendurch war der Kuchen fertig und leider unten etwas zu dunkel geworden. Der Herd ist nicht so ganz präzise. Bei 200 Grad hat er gern 10% mehr. Ich kratzte das Schwarze von der Unterseite und machte einen Zuckerguß mit Blutorangensaft auf die Oberseite.

Nach 14 Uhr machten wir uns fertig, wir waren bei Kind und Mann zum Kaffeetrinken angesagt. Die Fahrt nach Pankow mit Kuchen im Gepäck war nicht hindernisfrei, weil die Straßenbahn wegen eines Unfalls nicht mehr weiterfuhr und wir auf die U-Bahn umsteigen mussten.
Beim Kind angekommen stellten wir mal wieder fest, dass unsere interfamiliäre Kommunikation so ihre Tücken hat. Das Kind hatte auch einen Rueblikuchen gebacken. Also gab es zwei Sorten zu kosten.
Wir saßen plaudernd auf dem Sofa, dachten über Vornamen nach („Wie wärs denn mit Klaus-Dieter?“) und bewunderten des Kindes Kugelbauch. Später sichteten wir den Windel- und Babyhöschen-Vorrat.

Der Schwiegersohn bekam ein Geburtstagsgeschenk, ein paar warme Socken und ich bekam ein Geburtstagsgeschenk, eine Ringelmiez-Stricknadelrolle. Das freute mich sehr, denn ich hatte gerade gestern wieder in meinem uferlosen Stricknadelbeutel gewühlt.

Gegen halb Sieben Uhr schlenderten wir zur Bahn, fuhren wieder nach Mitte und stiegen an der Schule aus, um dort ein Schnitzel zu essen. Zwei Stunden später gingen wir nach Hause, holten von Spätie Nr. 1 noch Joghurt-Gums und von Spätie Nr. 2 Ben & Jerrys Peanutbutter Cup. Schließlich wollten wir ja neben hartem Liegetraining auf dem Sofa unbedingt unser Kalorienziel erreichen.

Jetzt ist es 11 Uhr abends. Der Graf recherchiert noch ein bisschen am Projekt Zukunft & Lebensfreude, ich lese weiter in meinem Buch und wir sind schon wieder rechtschaffen müde.

Die anderen Tagesgeschichten stehen hier.

Von trüber Kälte zu kalter Helle

Sollten Sie im Moment gute Laune haben, lesen Sie das besser nicht.

Im Moment habe ich die Wahl zwischen mit dem falschen Bein aufstehen oder aber tagsüber gar nicht in Tritt kommen und nachts hyperaktiv rumrödeln. Das ist beides mentalhygienisch nicht so optimal. Aber es ist halt die schlimme, endlose Zeit von Januar bis Ende Februar, die in Berlin sehr unangenehm sein kann, weil kalt, eklig und trübe.
Im hinteren Eingang vom U-Bahnhof Rosenthaler Platz trocknen wieder stinkende Urinseen, in denen die hier ansässige Population polnischer Penner nachts auch schläft, weil der Park zu kalt ist. Auf dem Bahnsteig taumeln sie besoffen und zugedröhnt herum, es ist eine Frage der Zeit, bis mal einer vor die U-Bahn fällt.
Wer von diesen Leuten noch in der Lage ist, einige Zeit ohne Alk und Zigarette auszukommen, geht in die Bibliothek und wärmt sich auf. Und stinkt. Infernalisch.

Aber auch der normale männliche mittelalte Bibliotheksbenutzer kann ein niederschlagendes Odeur entwickeln. Nach ungeduscht, in Klamotten im ungelüfteten Raum auf dem Sofa rumgeranzt und Pizza gegessen und anschließend im T-Shirt geschlafen. Dann geht mann morgens in die Bib und lüftet etwas aus. Wääääh!

Führen wir das Thema olfaktorisch auffällige Männer noch etwas fort. Ich habe in dieser Woche zwei Krankenhäuser betreten. Zweimal kamen mir Männer in Unterwäsche entgegen, als sei das normal. Ist das das Schicksal des männlichen Berliner Singles, nach einem Herzkasper ohne Notfalltasche im Krankenhaus zu landen und in den Einlieferungsklamotten rumzuschlurfen, weil Tinderdates einen leider nicht im Krankenhaus besuchen und Sachen bringen? – Allerdings, laut Herrn Glamourdick, der einige Zeit in einem Berliner Krankenhaus weilte, bringen manche Herren für einen eintägigen Aufenthalt weder Zahnbürste noch Handtuch mit, haben aber jede Menge Besuch.
Die Menschen, die am nächsten Morgen Hand an diese Typen legen müssen, tun mir echt leid.

Um bei unangenehmen Männern zu bleiben: Ich habe den orangefarbenen Mann aus meinen sozialen Netzwerken entfernt und mit ihm die albernen Memes, die seine Frau zum armen Opfer reden (seine Ex Ivana war intelligent, schön und clever, warum sollte die aktuelle Trophy Wive es nicht sein?) und die Panikmeldungen, die seine Handlungen begleiten. Was nutzt es, Dinge, auf deren Entwicklung man keinen Einfluss hat, anzustarren und seine Energie in hysterische Witzeleien, Erregung und Angstlust zu verschwenden? Vor der eigenen Tür zu kehren war noch nie so wichtig wie heute.

Nebenher: Ich habe keine Sorge um Falschmeldungen und Lügen. Ich habe eher Angst vor der enormen Wirksamkeit von geschickten Ausschnitten aus der Realität. Siehe das Video, das den amerikanischen Präsidenten als Despoten über sein armes Plastikhascherl charakterisieren sollte. Wer genau hingeschaut hatte, sah beim zweiten Mal, dass es ein Ausschnitt aus einem anderen Kontext war. Für solche Propaganda und Halbwahrheiten ist jede Seite empfänglich. Es hilft nur, wachsam und misstrauisch zu bleiben und immer wieder zu recherchieren und nachzufragen, was wirklich dahinter steckt und wem es nutzt.

Aber es war nicht alles schlecht in dieser Woche. Wir fuhren in schwärzester Nebel-Nacht durch Mecklenburg, um Wildschweinbraten zu essen und am nächsten Tag schien wieder die Sonne. Ich schwamm ziemlich schnell, ich schlief lange Nächte tief und hing noch ein Mittagsschläfchen dran und dem Kind geht es gut und der Babybauch wird immer runder.
Der Schnee auf 745m Höhe macht spaß und lässt mich von meinen im Keller wartenden Langlaufski träumen, die dereinst zur Ausstattung der Biathlon-Olympiamannschaft der DDR 1972 gehörten. 2m lang und mit Stahlkanten. Damit kommt man überall hin.

Was will ich mehr?