Schon wieder Sonntag

Die verkürzte Nach-Oster-Woche ist vorbei gerast.
Ihr Inhalt war Enkel-Baby-Mädchen knuffeln, Ninja-Shirt nähen (Ich arbeite dafür an drei Nähmaschinen! Großes Gefühl!), etwas über Land fahren und eine Behörde anblöken.
Ich hoffe, das Anblöken der Behörde bringt mir keine Nachteile, aber der Brief, den ich bekam, war zu blöd. Die sollen gefälligst erstmal das lesen, was ich ihnen schreibe, statt das, was ich ihnen geschrieben habe, noch mal zu verlangen.
Das Enkelchen im Arm zu halten, ist immer wieder Herzschmelze und ich muss mir ins Gedächtnis rufen, dass es noch keine 14 Tage auf der Welt ist. Weil ich mich doch immer wieder darüber wundere, wie zart und winzig es ist.
Meine Mutter hat ihrer Mutter an ihrem Geburtstag auf dem Friedhof erzählt, wie das Kind heißt. Es hätte sie sehr gefreut.
Wir haben es zwar nicht mehr geschafft, 5 lebende Generationen Frauen zu sein, aber nun sind wir wieder 4. Das ist schön.
Die Landpartie war lehrreich. Wir lernen viel über Baustile und -qualität. Lassen Sie die Finger von den Häusern von Möchtegerns ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Optisch hui, Handwerklich pfui. Wohingegen Gebäude aus der gleichen Zeit, die den Wert des deutschen Reiches repräsentieren sollten, für die Ewigkeit gebaut sind.

Tja, so isset. Und falls eine eine Brother KH 892 Strickmaschine (nur die) auf dem Speicher hat, die sie nicht mehr braucht – her damit!

Ostersonntagsmäander

Am Mittwoch kam dann endlich und lange erwartet das Enkelkind auf die Welt. Eine Woche hat es sich noch Zeit gelassen und eine Fachkundige meinte, die hätte es auch noch gebraucht. Dem Kind gehts gut (Was heißt Kind, das Kind ist ja jetzt Mutter!), die kleine resolute Elfe und ihr Mann machen ihre Sache wirklich gut und das Kind vom Kind ist ein winziges mauzendes Mädchen mit eindrucksvoller Nase.
Ich bereite schon alles für die Fertigung von niedlichen Kleidchen vor. (Ich darf das. Großeltern sind ja die, wo wir als Kinder etwas Freiheit von zeitgenössischen Erziehungskonzepten genießen durften.)
Ich bin total beseelt von diesem kleinen Wesen und es wird sicher Gründe geben, einfach mal so bei Kind und Mann vorbeizugehen. Essen kochen oder vorbei bringen, andere Hilfe anbieten… Einfach um einen Blick auf diesen kleine, nach Milch riechende Wesen zu erhaschen.

Und sonst kommt hier immer nur ein Teil zur Aufzeichnung. Das Konzept Zukunft und Lebensfreude ist noch gänzlich unbeschrieben, weil nicht spruchreif und wird noch lange in der Vorbereitung verbleiben. Es dauert und braucht einen großen Teil unserer Ressourcen.

Aber der Technikpark ist seit dieser Woche aufgestockt. Es gibt eine Overlock- und eine Coverstichmaschine. Der Kauf war ein mittleres Drama. Die Familie kauft seit Jahren meist beim größten Nähmaschinenhändler der Stadt. Da stehen ältere Damen bereit, die einen die klassischen Nähmaschinen Probe nähe lassen. Stickmaschinen sind nur ihres, wenn es technisch nicht so anspruchsvoll ist und für Software lässt man eine junge Frau kommen. Man sieht also, wo die Kernkompetenz ausläuft.
Das Geschäft verlagert man gerade ins Netz, den großen Laden hat man aufgegeben und sitzt nur noch im Industriegebiet. Finde ich schlüssig. Es scheint auch zu laufen, auf dem Firmenparkplatz stehen drei fette Mercedes.
Am Wochenanfang wollte ich, lange geplant, die Bernina Aurora zur Durchsicht bringen und die Maschinen, die ich ins Auge gefasst hatte, Probe nähen. Die Sache mit der Durchsicht wurde kompliziert. Der Mechaniker ist nur noch einmal die Woche da. Die Maschinen stapeln sich und es kann vier bis sechs Wochen dauern. Einen Termin kann man mir nicht sagen, es gibt keine Warteliste, das ist nicht durchorganisiert.
Das Probe nähen funktionierte. Auch wenn man mir die niedrigpreisige Coverstitchmaschine der Premium-Marke nur widerwillig aufbaute. Aber ich brauchte den Vergleich noch einmal, um mich für die hochpreisige Maschine dieser Marke zu entscheiden.
Wenn wir über Preise redeten, sprachen wir nicht über die UVPs sondern über die Preise, die jeder Händler macht und die auch im Netz stehen. (Und die Händler im Netz sind auch alles alte Nähmaschinenhäuser, die ihr Geschäft umgestellt haben und doppelgleisig fahren, hier der klassische Laden mit Werkstatt, da der Onlineshop.)
Wir hatte uns zu Hause dann sehr schnell entschieden und ich rief an, um zuzusagen und den avisierten Paketpreis zu erfragen. Den musste erst der Chef machen und die Verkäuferin erklärte mir in einem zweiten Telefonat von Stöckchen, Hölzchen, Knöpfchen unter Verwendung der UVPs, dass man uns 50€ vom üblichen Preis nachlassen wolle und Giveaways dazugibt (die sowieso Bestandteil einer Aktion sind).
Hm. Das war nicht so prickelnd.
Wir machten einen Rundruf bei den anderen Händlern, um Verhandlungsargumente zu sammeln und in Bayern machte mir ein alter Herr, in seiner Werkstatt sitzend, seine Verkäuferinnen waren grade draußen mit den Kunden beschäftigt und der Sohn, der Geschäftsnachfolger sein wird, nicht da, ein Angebot, bei dem ich zunächst nachfragte, ob er sich in der Liste verschaut habe. Er rechnete noch mal nach und meinte: Nein, das wäre schon korrekt so. Und den Support habe man organisiert, es gäbe Freiporto zum Einschicken für die Reparatur und die Nachfolge in der Werkstatt sei auch geregelt, falls er nicht mehr könne. Aber Angesichts des Preises bitte man um Vorkasse, um die Paypal-Gebühren zu sparen.
So viel Nachlass in Bayern in einem genauso gewachsenen Geschäft vs. support your local dealer, der dagegen ein unstrukturierter Sauhaufen ist. Wir hatten beide ein scheiß schlechtes Gewissen, aber die Entscheidung war klar, das änderte auch die Intervention des Berliner Chefs nicht mehr, der noch mal etwas nachbesserte.
Geliefert wurde innerhalb von 2 Tagen  und ich arbeite jetzt wie an einem Mischpult an drei verschiedenen Nähmaschinen für die Fertigung eines Teils und ich mag es sehr.

Last, but not least: Dieser Tag ist ein guter und großer. Vor 6 Jahre sagten der Graf nur zwischen uns zueinander Ja und vor 4 Jahren gab es dann den amtlich und offiziell zelebrierten Tag. Ich bin schon ein Glückskind, hoffe, dass es noch ganz lange so bleibt und tue alles mögliche dafür. Es hätte auch alles ganz anders kommen können.

WMDEDGT April 2017

Frau Brüllen möchte wieder wissen, was wir den ganzen Tag gemacht haben. Diesmal mit veränderten Startbedingungen, was ich gut finde, denn mich haben die Blogposts, die bereits um 10 Uhr morgens verlinkt waren und fast nichts enthielten, zunehmend befremdet. Das ist wie morgens Handtücher auf Liegen am Pool legen.

Ich ging heute erst 1:30 Uhr schlafen. Es gab vorher ein langes Telefonat mit Primavera zum Thema zukünftige Lebensgestaltung (sie und ich) und das war etwas aufregend.
Deshalb schlief ich auch bis 8 Uhr und ging dann mit einer Tasse Kaffee in die Badewanne.
Danach frühstückte ich Joghurt mit Banane und Trockenfeigen und machte Zeitungsschau.
Gegen halb 11 setzte ich mich an den Nähtisch und trennte den Bund von einem Dreiviertel-Tellerrock aus dunkelblauem Wollstoff ab. Der leichte Flanell hatte sich am Bund über Gebühr gedehnt, das wollte ich reparieren. Das dauerte über eine Stunde, denn ich hatte unglaublich viele Nähte auf den Bund gesetzt.

Dann rief Primavera noch mal an. Sie hat aktuell viel mit Ämtern zu tun und das ist nicht unbedingt ihre starke Seite.
Nach dem Telefonat organisierte ich noch die eine oder andere Sache, bezahlte eine Rechnung und bekam einen Anruf vom Roten Faden, dass der nächtens georderte Stoff nur noch in Teilstücken vorhanden sei. Was mir nichts nutzte, deshalb stornierte ich einen Teil der Bestellung.

Gegen 14 Uhr aß ich ein Leberwurstbrot, trank noch einen Kaffee und machte mich stadtfein. Ich fuhr mit der S-Bahn nach Zehlendorf, weil ich einen Arzttermin hatte. In der Bahn mir gegenüber saß eine junge Frau mit schwarzen Augenbrauen wie mit der Schablone gemalt und las langsam und mühselig eine Große-Buchstaben-Zeitung.
Hinter mir saß ein osteuropäisches Paar, wo sie ihm eine Viertelstunde lang lautstark in irgendeiner slawischen Sprache erklärte, dass alle ihre Freunde und Bekannten eine Terrasse hätten, nur sie nicht. Er schwieg anhaltend.
Die Fahrt ging flotter als gedacht und so schlenderte ich in Ruhe den Teltower Damm entlang, wo sich Boutiquen für wohlhabende ältere Damen, Hörgeräte- und Sanitätswarengeschäfte, Apotheken und Delikatessenläden aneinanderreihten.
In einer der Apotheken kaufte ich Magnesium, denn ich habe seit Tagen sehr schmerzhafte Krämpfe vorn am Schienbein. In der Hoffnung, dass das hilft.

Beim Arzt musste ich trotz Termin eine Stunde warten. Ich las 8 Nummern der Gala und hörte, wie die Sprechstundenhilfe im Nebenraum einen terminsuchenden Patienten nach dem anderen abwimmelte. Auch diese Arztpraxis schließt zum Quartalsende jeweils für ein paar Tage, scheinbar weil sich das Arbeiten bei dem aktuellen Bezahlungsgefüge der Krankenkassen dann nicht lohnt.
(Der Graf hatte vor ein paar Wochen eine Odyssee wegen einer Impfung hinter sich gebracht. Sogar als Privatpatient. Eine Impfung allein lohnt sich scheinbar nicht.)
Dann war ich dran und konnte berichten, dass es mir gut geht. Wenn ich mir mein Tun einteilen und mich hinlegen kann, wenn ich müde bin, ist alles fein.
(Es ist so. Ich habe zwar immer noch Probleme damit, nicht mehr die Superdynamikerin zu sein, aber die Entspannung und der weggefallene Druck sind das Beste, was mir in den letzten 10 Jahren passieren konnte.)

Ich ging zurück zum S-Bahnhof und kaufte mir bei Butter-Lindner ein kleines Törtchen mit Himbeeren und etwas Geflügelsalat. Das Himbeertörtchen aß ich gleich, denn ich hatte Hunger, inzwischen war es halb 6 Uhr.
Ich stieg in die Bahn, um in die Stadt zurückzufahren und die wurde immer voller. In Steglitz setzte sich ein Typ neben mich, der so nach Schnaps stank, dass ich beim Luftholen passiv saufen konnte. Als er ein paar Stationen später ausstieg, lief er völlig normal. Der Mann musste gut im Training sein.
Mir wurde übel und schwindelig. So schnell wie die Fahrt auf dem Hinweg verging, so endlos zog sie sich auf dem Rückweg. Am Nordbahnhof angekommen, war ich froh über die frische Luft, selbst wenn sie voller Autoabgase war, denn die Straßen waren voll.

Als ich zur Straßenbahn ging, traf ich Barb Nerdy und wir liefen plaudernd ein paar Straßenbahnstationen in Richtung Prenzlauer Berg.
Zu Hause angekommen, aß und trank ich erst einmal etwas und legte die Füße hoch.

Gegen 7 Uhr kam der Graf zurück und wir nerdeten etwas mit unseren Digitalgeräten herum.

Jetzt Nachricht vom Kind, das Goldkindchen trödelt noch rum und macht nix außer im Bauch rumrumpeln und wir zählen alle den Countdown, schließlich ist heute Termin.
Ich werde gaaanz ruhig bleiben (GANZ RUHIG!)

Und jetzt stricke ich noch ein Stündchen an des Grafen Herrensocken und gehe dann ins Bett.

Und alle anderen Blogposts über den Monatsfünften sind hier.

Sonntagsmäander im zu warmen Frühling

Nach einer Landpartie ist man platt, vor allem, wenn es 23 bzw. 18 Grad hat und noch nicht mal ein Blatt am Baum hängt. Aber es hat schon Veilchen im Gras.

Das Leben schenkt mir gerade Geschichten, die noch nicht so richtig zu erzählen sind. Rührend, traurig oder lustig. Die schönste ist die von der unwürdigen schottischen Greisin. Aber später, später…

Um mein Thema Kleider von vor zwei Wochen fortzusetzen: Mir fällt es sehr auf, dass selbst auf konservative Kleiderhersteller kein Verlass mehr ist. Ich habe vor zwei oder drei Jahren einen ganzen Schwung Kleider zu Lands End zurückgeschickt mit der Bemerkung, das sei überhaupt nicht die Qualität, die ich von früher gewohnt sei. Es gibt sowieso kaum noch Supima-Baumwoll-Qualität, aber auch die Stoffe unverwüstlichen Klassiker wie Herren-T-Shirts, die immerhin 20€ kosten, sind oft in einer Bestellung von anderer Grammatur – mal von einer Dicke, wie erwartet, mal halb so dick.
Auch meine bevorzugte Schuhmarke Arcus (nicht billig) hat es aufgegeben, die Schuhe mit naturfarbenem Leder zu füttern und stabilisiert innen nur noch mit Belegen.
Mein bevorzugter Wäscheladen hat den Händler gewechselt und bietet jetzt Unterhosen aus dünnerem Stoff mit schlechter genähten Gummis an, die nach 8 Wochen anfangen, abzureißen. Als ich mich beschwerte, kam die Antwort, ich könne sie gern umtauschen. Nur, was soll ich mit dem gleichen Geraffel?

Irgendwie bin ich gerade etwas angegessen deshalb. Unterhosen werde ich mir in Zukunft selber nähen. An Schuhen muss ich noch üben.